Ingeborg Bachmann war Anfang der 1950er Jahre Rundfunkredakteurin. Hans Werner Richter, der Gründer und Moderator der »Gruppe 47«, entdeckte während eines Wien-Besuchs Gedichte von ihr auf ihrem Schreibtisch beim Sender: »Ich lese sie alle«, notierte er, »und vergesse das bevorstehende Interview ...« Schon auf der nächsten Tagung der »Gruppe 47«, 1952, kommt es zum Auftritt der jungen Dichterin und ein Jahr später erhält sie den Preis der »Gruppe 47«. Damit ist sie in dem viel- leicht wichtigsten Zentrum des Literaturbetriebs der Nachkriegszeit angekommen. Zu Recht, wie man längst weiß, denn ihre Lyrik, ästhetisch von hoher Strahlkraft, ist auch in ihren Botschaften ein Spiegelbild der zerrissenen Zeit, der Krisen, denen der Mensch ausgesetzt ist, und der Macht der Sprache, mit deren Hilfe sich das Individu- um selbst erneuern kann.